Die Zeit nehme ich mir

Endlich Zeit haben für die Dinge, die man schon immer mal machen wollte. Solch einen Wunsch hatte vermutlich jeder schon einmal. Der Zeitbedarf dürfte aber von Person zu Person erheblich schwanken. Meist gibt es ein großes, unüberwindbares Hindernis, das dem Vorhaben im Weg steht: Der Broterwerb. Sei es nun, dass man sich eine längere unbezahlte Auszeit einfach nicht leisten kann oder dass der Arbeitgeber nicht bereit ist, auf die Arbeitskraft zu verzichten. Es besteht natürlich die Möglichkeit, einfach alle Zelte abzubrechen und alles hinter sich zu lassen. Wenn man allerdings auch mal wieder zurück in ein geregeltes Leben und vielleicht auch noch in den selben Job will, ist dies keine Option.

Längere Sonderurlaube, auch bekannt als „Sabbatical“, gewinnen langsam auch in unseren Breitengraden höhere Bedeutung. Das ursprünglich aus dem US-amerikanischen Universitätswesen stammende Arbeitszeitmodell gibt den Menschen Gelegenheit, sich ihre zeitintensiveren Träume zu erfüllen. Die Auszeiten reichen hierbei von Monaten bis zu einem oder sogar mehreren Jahren. Der Arbeitgeber hat aber auch ein gewichtiges Mitspracherecht. Ohne Übereinkommen von beiden Seiten gibt es keine Auszeit vom Job.

Für die Zeit der Pause und danach muss eine finanzielle und rechtliche Basis geschaffen werden. Die genauen Modalitäten sollten geklärt und festgehalten werden. Natürlich ist auch ein unbezahlter Sonderurlaub möglich, aber dies muss man sich leisten wollen und können. Eine gute Möglichkeit ist der Einsatz eines Zeitwertkontos, auf welchem der Arbeitnehmer im Vorfeld Teile seines Gehaltes anspart. Während des Urlaubs erfolgen die Zahlungen dann von diesem Konto. Eine andere Variante wäre der Aufbau eines Zeitguthabens, welches später für das Sabbatical herangezogen wird. Es gibt unterschiedliche Arbeitszeit- und Lohnmodelle, aus denen Arbeitgeber und Arbeitnehmer das Passende auswählen können.

Welche Träume die Arbeitnehmer dann in ihrer freien Zeit verfolgen, liegt ganz bei ihnen. Viele wünschen sich mehr Zeit mit der Familie und den Kindern. Beziehungen benötigen ebenfalls ausreichend Zeit. Mit dem Partner ohne Stress die Zweisamkeit genießen oder die Kinder hautnah beim Aufwachsen zu begleiten kann lebenslange freudige Erinnerungen bringen. Erinnerungen, die rein mit Geld nicht bezahlbar sind.

Andere Personen wiederum wollen ausreichend Zeit, um sich weiterzubilden. Ob nun im Bereich ihres Jobs oder auch anderweitig, geistiges Wachstum ist ein menschliches Grundbedürfnis. Neben einem Arbeitsplatz bleibt oftmals zu wenig Zeit für in die Tiefe gehende Studien. Die freie Zeit kann auch für größere Forschungs- oder Kunstprojekte genutzt werden. Kreativität und Motivation sollen sich wieder aufladen können. Andere Länder zu bereisen, steht auch auf der Liste vieler Personen. Es kann sich aber auch schlicht und einfach nur um Erholung handeln. Man will die Work Life Balance ins Gleichgewicht bringen oder im schlimmsten Fall ein Burnout verhindern oder behandeln. Auch ein vorgezogener Ruhestand wäre ein mögliches Szenario.

Im ersten Moment erscheint oft fraglich, welchen Vorteil der Arbeitgeber von diesem Sonderurlaub hat. Betrachtet man aber die Hintergründe genauer, sind doch viele Punkte erkennbar, die einerseits die Beziehung zum Arbeitnehmer stärken und andererseits dem Arbeitgeber direkt oder indirekt einen Gewinn bringen. Allein das Gewähren solch einer Auszeit dürfte sich positiv auf die Arbeitsbeziehung auswirken. Wenn der Mitarbeiter sich nun im Bereich seines Jobs weiterbildet, hat der Arbeitgeber einen direkten Vorteil. Betreibt er Forschung im Bereich seiner Arbeit, kann der Arbeitgeber ebenfalls direkt oder indirekt davon profitieren. Auch kürzere Auszeiten können wieder neuen Elan und Schwung bringen. In wenigen Berufen heutzutage ist die abgesessene Zeit das Erfolgskriterium. Manchmal ist es besser, die Akkus einfach mal wieder neu aufzuladen, um dann durchzustarten.

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